Die Hundeversteher

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Ignorieren oder korrigieren?

| 3 Kommentare

Sollten wir unerwünschtes Verhalten konsequent ignorieren? Oder: Wann sollten wir es ignorieren und wann „korrigieren“.

Als Hundetrainer machen wir gelegentlich die Erfahrung, dass Hundehalter mit der Entscheidungsfindung in bestimmten Situationen überfordert sind. „Soll ich meinen Hund jetzt ignorieren oder muss ich sein Verhalten korrigieren?“Es ist sicherlich situationsabhängig! Striktes ignorieren ist nicht immer sinnvoll, sowie auch die Tatsache, dass man sich nicht immer auf das Verhalten des Hundes einlassen sollte.

Hierzu zwei Beispiele:

Fall 1:
Ich komme bei dem Kunden zu Haustüre rein, begrüße erstmal alle anwesenden Menschen und wende mich nun dem Hund zu. Pelle, heißt der drei Monate alter Airedale-Terrier. Er kommt wedelnd auf mich zu und ich streichle ihm über das Ohr. Für den Hund ist dies nun der Anlass seinem Hobby nachzugehen und meine Hand zu „beisseln“. Ich nehme meine Hand etwas zurück und kommentiere die Geste mit einem „nein“. Sofort nähert sich meine Hand wieder um ihn zu streicheln und prompt versucht Mr. Ich-will-deine-Hand-beissel seinem Künstlernamen gerecht zu werden. Erneut sage ich „nein“. diesmal mit ernsterem Ton und ich ziehe die Hand wieder weg.

Aggieren statt reagieren

3.Versuch: die Hand kommt wieder, Mr. Ich-will-deine-Hand-beissel ist zwischenzeitlich etwas frustriert. Weil ich ihm die Möglichkeit nehme seiner „Beißkunst“ Ausdruck zu verleihen. Er wird massiver, knurrt unterschwellig und versucht nun das Objekt der Begierde mit einem Satz zu erreichen. Ich verleihe meinem „nein“ nun etwas mehr Ausdruck und gebe dem ganzen etwas Lautstärke hinzu.

Der Hund versucht abermals die Hand zu erreichen, ich lege die flache Hand auf seine Brust und schuppse ihn mit Schmackes einen halben Meter rückwärts über den Boden (dieser Akt hat mal eben eine halbe Sekunde Zeit in Anspruch genommen) zusätzlich wir nochmals mit einem im Ton bestimmten „nein“ abgerundet. Tja, nun schaut Mr. Ich-will-deine-Hand-beissel mich mit großen Augen an und überlegt eben mal was da gerade passiert ist, ich rufe ihn wieder sanft zu mir, Herr Erdbeben kommt nun mit leisen Schritten zu mir und ich streichle ihn sanft. Statt zu beisseln, hat sich Fellnase nun fürs Schwanz wedeln entschieden und ich belohne das ganze mit einem wohlwollendem und äußerst lieb gemeintem „fein!!“

Fall 2:
Franky, ein 1 ½ Jahre alter Cocker Spaniel hat gelernt bei der Anweisung „schau“ genau dies zu tun, nämlich einen anzuschauen. Wir wollen den Schwierigkeitsgrad jetzt erhöhen und Ich veranschauliche Herrchen die Übung. Ich setzen ihn ab, sagen „schau“ und heben ein Leckerli genau ins Blickfeld. Der Hund schaut uns brav an, denn er will ja das was wir gerade zwischen den Fingern halten. Nun wandert das Leckerli aber nicht in sein Maul, so wie sonst der Fall war, sondern waagerecht links oder recht aus dem Blickfeld heraus.

Franky schaut dem Leckerli hinterher bis der Arm stehen bleibt, er schaut immer noch aufs Leckerli aber leider passiert rein gar nichts! Nun Schaut er auf den Boden, auf die Wand, Richtung Terrasse, bis ihm schließlich einfällt, dass er ja auch den Menschen anschauen könnte der sich da die Mühe macht und das blöde Leckerli ewig mit ausgestrecktem Arm, quasi „schwebend“ in der Gegend hält. In dem Moment wo seine Augen meine Treffen wird ihm umgehend das Leckerli verabreicht und mit einem dollen „fein“ kommentiert. Soweit so gut.

Ein Cocker Spaniel will`s wissen

Beim zweiten Mal ging es Franky wohl nicht schnell genug (wahrscheinlich hatte er wichtige Termine) und er fing an, nachdem er wieder ein bisschen die Gegend betrachtet hatte, mich anzubellen. Da ich im Schneidersitz vor ihm saß, drehte ich mich einfach kommentarlos um 180 Grad um und zeigte ihm meinen netten Rücken. Der Hund lief um mich herum und setzte sich vor mich hin. Ich wiederholte die Übung und als der Hund gerade wieder damit beschäftigt war blöd in der Gegend rumzuschauen statt meine Augen zu suchen, fiel ihm wieder sein Terminkalender ein und er fing abermals das bellen an.

Sie können sich vorstellen wie ich reagiert habe? Er sah sich wieder mit meinem Rücken konfrontiert und den, das weiß auch Franky, interessiert sein Gebell nicht. Er lief nochmals um mich herum, setzte sich vor mich und ich wiederholte die Übung. Und schau da……er hatte nun auch einen Termin für mich in seinem Kalender eingetragen! Er nahm sich richtig Zeit! Unsere Augen trafen sich und das Leckerli war nun sein…fein!!!

Wie Sie sehen ist es in der Hundeerziehung durchaus sinnvoll unerwünschtes Verhalten zu ignorieren aber wie es sich in Fall eins darstellt, dürfen wir in bestimmten Situationen unerwünschtes Verhalten nicht einfach durchgehen lassen.

In beiden Fällen haben wir dem Hund eines klar gemacht:

DAS IST „FEIN!“ UND DAS IST „NEIN!“

3 Kommentare

  1. hallo,
    dass waren schon super tipps!
    Ich habe einen Schäferhund/Hasky 7 Monate!
    Er ist mein absoluter Traumhund, wir beide haben uns super lieb und hängen sehr aneinander, morgens gibts ein küsschen :-)!
    Was er kann ist, sitz, platz, bleib, Fuß (mit Leckerlie).
    Seit kurzem befolgt er auch nur die Handzeichen (auch mit einer netten Belohnung), handzeichen wie Sitz, Plaz, Bleib, gehe dann einige Meter von ihm weg, dann zeige ich mit dem Zeigefinger auf mein Schuhe (also Hier) und er kommt! hab ich mit dem Clicker gemacht. Zurzeit übe ich das NICHT ZIEHEN an der Leine, wir laufen er zieht, ich stehe, schaut er mich nicht an wende ich in die andere Richtung, läuft er dann neben mir lobe ich, ist das richtig?
    Mein Hundi schläft nachts im Flur, jedoch macht er da sein großes und kleines Geschäft, wie verhindere ich das? Er hat im Haus zwei feste Plätze bzw, DECKEN, dort wo er liegen soll, wenn zb Besuch da ist, jedoch macht er es nicht immer, ich sage mir oft voll wohlmut, er will ja auch gucken oder mal bei meinen Füßen liegen, oder einfach auf dem Boden, aber was ist richtig und wie mache ich ihm dann klar:”Hier ist dein Platz nirgendwo anders”!

    wäre nett ein paar tips zu erfahren….

    lg in die Hundewelt

  2. Hallo,

    vielen Dank für den Kommentar und das Interesse.
    Es ist immer sehr schwierig aus der Entfernung und ohne das man den Hund im sozialen Umfeld erlebt hat, Situationen zu beurteilen um dann Tipps geben zu können.
    Das verrichten des Geschäfts im Haus kann alles und nichts bedeuten. Das geht los bei klassischem markieren, nach dem Motto “mein Haus”. Er kann es aus Verlustängsten heraus tun, es kann auch reiner Protest sein, weil ihm der Platz eventl. nicht passt.
    Hundeverhalten sollte immer im Kontext gesehen und analysiert werden, sonst kann man schnell viel falsch machen und das wollen wir natürlich nicht. Gern können Sie sich mit uns in Verbindung setzen.

    Lg Bea und Massimo

  3. Interessanter Beitrag! Gebookmarkt :)

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