Die Hundeversteher

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Hund verliert Krallen

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Gibt man diese Phrase bei Google ein bekommt man ca. 58.900 Treffer. Immer wieder liest man dieselben Geschichten, Hunde verlieren ihre Kralle und die Tierärzte sind ratlos. Uns ging es mit Diego auch so und deshalb wollten wir das zum Anlass nehmen und etwas Aufklärungsarbeit leisten.

Oktober 2004 – wir waren mit unserem Hübschen auf einer Wiese und spielten Ball. Auf einmal humpelte er und stoppte das Spiel. Wir schauten natürlich sofort nach der Ursache und mussten feststellen, dass sich eine Kralle löste. Sie war halb ab und blutete stark. Wir packten Diego ins Auto und fuhren sofort zum Tierarzt.

Der Tierarzt begutachtete die Kralle und wir vermuteten, dass er beim Spiel irgendwo unglücklich hängen geblieben ist und sich dabei die Kralle gezogen hatte. Der Tierarzt legte die Fellnase in Narkose, zog die Kralle, verband die Pfoten nach der Desinfektion und wir gingen wieder nach Haus.

Ein langer Leidensweg nahm seinen Lauf

Wir pflegten die Pfote täglich und waren guter Hoffnung, dass es damit getan wäre. Nach kurzer Zeit stellten wir allerdings fest, dass sich weiter Krallen lösten und nach einander ausfielen. Innerhalb kürzester Zeit waren wir Dauergast beim Tierarzt.

Pfotenbäder, Pilzbäder, Antibiotikum, Nahrungsergänzungsmittel, spezielle Futtersorten usw. Wir versuchten wirklich alles, doch nichts half. Unser Tierarzt war auch ratlos, zumal er einen weiteren Hund mit genau derselben Symptomatik betreute.

Die Krallen wuchsen bis sie wieder ausfielen

Nachdem wirklich alle Krallen, selbst die Wolfskrallen ausgefallen waren, dachten wir, dass es nun wieder besser werden würde. Langsam wuchs neues Horn nach, allerdings viel dicker als die alten, die Struktur war auch nicht homogen. Die Freude über die neuen Krallen hielt dann auch nur drei Monate, denn dann begann der Spuck von vorn.

Diego wollte nicht mehr auf Wiesen, geschweige denn spielen oder rennen, denn jedesmal wenn er mit seinen ungeschützten Krallen irgendwo dran kam, folgten große Schmerzen und im schlimmsten Fall fing es an zu bluten.

Was erschwerend hinzukam war, dass er nicht lecken durfte, zum einen wegen der Infektionsgefahr und zum anderen, damit sich kein Zwangsverhalten einstellte. Also kurz und knapp: eine echte Tortur für Hund und Mensch

Internetrecherche brachte die langersehnte Hilfe

Wir fingen an im Internet zu recherchieren. Wir wollten einfach nicht akzeptieren, dass es nun so bleiben sollte. Wir schrieben viele Tierärzte in ganz Deutschland an – nix. In Hundeforen und Internet-Communitys suchten wir nach Antworten, doch niemand konnte helfen, dafür bekamen wir Kontakt mit vielen Mensch-Hund-Gespannen die genau das Selbe durchmachten.

Erst als wir auf ausländischen Internetseiten wie z.B. hier oder hier fanden wir die Antworten, die wir zwischenzeitlich seit 2 Jahren suchten.

Wir sammelten ca. 30 DIN A4 Seiten Material über die „symmetrical lupoid onychodystrophy“ in Kurzform SLO und brachten das zu unserer Tierärztin. Sie studierte die Unterlagen durch und kam nach einer Woche auch zum Schluss, dass Diego an SLO litt.

Die Medikamente schlugen sofort an

Diego erhielt sofort Omega3-Fettsäuren und Nikotinsäureamid-Tabletten, dass ist ein Vitamin B12. Bei der SLO bildet der Körper des Hundes Antikörper gegen die Krallen. Wir sprechen hier von einer Autoimmunkrankheit, die in den seltensten Fällen heilbar aber wenigstens behandelbar ist. Diego wird sein ganzes Leben lang Medikamente erhalten, womit wir aber alle gut leben können.

Wir hoffen, dass wir mit diesem Artikel Hundebesitzern helfen können, die genauso verzweifelt sind, wie wir es waren.

Eure Bea und Euer Massimo

2 Kommentare

  1. Guten Morgen Bea und Massimo zunächst die besten Wünschen zum neuen Jahr.

    Es ist hervorragend wie Sie das Problem dieser Immunkrankheit schildern. bei unserem Hund trat diese Krankheit im 5. Lebensjahr auf. Nach etlichen Tierarztbesuchen ist bis jetzt kein Behandlungserfolg erkennbar und der Hund leidet sehr. Wäre es möglich eine Aussage über die medikamente mit Namen zu erhalten mit denen Sie einen zufriedenstellenden Erfolg hatten ? Ich würde dann diese Therapie mit meinem Tierarzt eingehend besprechen können, er ist für Alles sehr aufgeschlossen. Herzlichen Dank

  2. Hallo Zusammen,
    Diego hat am Anfang neben den Tabletten, als wir mit der Therapie begannen, omega3-Fettsäuren in Form eines Fischöls bekommen. Das haben wir ihm aber nur ein Jahr gegeben. Sein Futter http://www.canisalpha.de das er bekommt deckt offensichtlich seinen Bedarf an mehrfach ungesättigten Fettsäuren.
    Die Tabletten bekommt er nach wie vor und hier haben wir uns auch auf eine lebenslange Medikation eingestellt. Begonnen haben wir die Therapie mit 3 Tabletten dreimal täglich für einen Zeitraum von 2 Wochen. Die Tabletten heißen: nicotinsäureamid 200mg von jenapharm. Heute nach nunmehr 3 Jahren, erhält er immer noch 1 Tablette morgens und 1 1/2 abends. Das muss man ausprobieren wieviel der hund braucht. Wir hatten es auch mal mit einer pro Tag versucht aber da ging der krallenausfall sofort wieder los. Daher bleibt es jetzt bei der aktuellen Dosierung. Wenn ihr weitere Fragen habt, dürft ihr auch gern anrufen. Gern kann sich Euer Tierarzt auch mit unserem kurzschließen.

    Liebe grüße, Bea und Massimo

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