Die Hundeversteher

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Kinder und Hunde

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Jedes Jahr lesen wir Zeitungstitel wie, “Kampfhund beißt Kind tot”, “Hund zerfleischt Kind” “Baby von Familienhund getötet” usw. Das schockiert uns alle und in vielen Schmierblättern wird sehr schnell die Keule rausgeholt und der Hund zur Tötungsmaschine ab degradiert – doch ist solch ein Hund wirklich aggressiv oder Verhaltensgestört? Wir plädieren für die Einzelbetrachtung solcher Fälle und sagen auch warum?

Kinder und Hunde ein immer wieder spannendes Thema, in unserer alltäglichen Trainerarbeit. Grundsätzlich raten wir allen Eltern, Kinder bis zu einem Alter von 7-8 nicht allein mit einem Hund zu lassen. Babys und Kleinkinder mit einem Hund ohne Aufsicht, auch wenn es der vertraute Familienhund ist, ist als grob fahrlässig zu betrachten.

Verschiedene Faktoren lassen Kinder bedrohlich auf Hunde wirken

Kinder, vor allem kleine Kinder bewegen sich meist grobmotorisch und ungelenk – auf den Punkt gesprochen: unberechenbar. Erwachsene Menschen hingegen, sind sehr koordiniert in ihrer Bewegung und für Hunde gut einzuschätzen, dass gibt Sicherheit. Kinder sind laut, schreien und nehmen einen hohen Stellenwert bei Mama und Papa (Herrchen und Frauchen) ein, also auch immer ein gewisser Wettbewerb, der zwischen Hund und Kind entsteht.

Verunsicherte Hunde sind oft überfordert

Beispiel 1: Ein Kind liegt in seinem Kinderwagen und schreit unentwegt. Der Hund wird mit der Situation allein gelassen. Jetzt gibt es sehr souveräne Hunde, die sich verziehen, weil sie ihre Ruhe haben wollen und auch ein Rückzugsort für den Hund geschaffen wurde. Es gibt aber auch Hunde, die solch eine Situation managen möchten/müssen, weil die Besitzer hier ihrer Pflicht als Halter und Umsorger (auch für den Hund) nicht nachkommen. Wenn ein Hund (vor allem unsichere Hunde) ein Verhalten nicht gut findet und der Mensch hier nicht regulierend eingreift, dann wird der Hund versuchen, der Lage Herr zu werden.

Maßregelung bei Hund findet ganz häufig über den sogenannten „Schnauzengriff“ statt. Der Hund nimmt das Maul des Anderen in seines und erreicht damit einen sofortigen Abbruch des unerwünschten Verhaltens. Versucht der Hund genau das bei einem Baby/Kind wird das Geschrei mit Sicherheit größer und lauter. Der Hund erlebt jetzt genau das Gegenteil von dem was er instinktiv weiß – jetzt kommt Frust hinzu, weil das gewünschte Ergebnis nicht eintritt – nämlich, dass das Baby/Kind ruhig ist und der Hund verstärkt somit sein Handeln.

Was das für das Baby/Kind bedeutet, möchten wir hier nicht ausschmücken, das kann man ja aktuell in der Zeitung lesen. Das Verhalten des Hundes ist also nicht unnormal sondern hündisch. (Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel.)

Beispiel 2: Kleinkinder im Alter von 2-3 Jahren, sind in ihrer ganzen Motorik noch sehr grob. Sie haben gerade laufen gelernt und sind im gesamten Erscheinungsbild eher unsicher auf den Beinen. Aus Hundesicht ist so ein strauchelndes Kind ein unberechenbares Ereignis. Souveräne als auch unsichere Hunde suchen auch hier in aller Regel das Weite und entziehen sich der Situation – wenn das möglich ist. Doch oft genug ist es das nicht. Der Hund wird mit der Situation allein gelassen und auch hier wird wieder Frust ausgelöst. Hinzu kommt, dass solch kleine Kinder meist ganz unbedarft auf Hunde zugehen. Am Schwanz und an den Ohren ziehen, in die Augen fassen usw. Souveräne Hunde, lassen das in aller Regel über sich ergehen, gehen aber, wenn Sie die Möglichkeit haben.

Das ein Hund in solch einer Situation nach einem Kind schnappt, ist letztlich nichts Unvorhersehbares, sondern eine logische Schlussfolgerung. Auch wenn das viele nicht hören möchten. Das heißt natürlich im Umkehrschluß nicht, dass jeder Hund der mit Kindern allein gelassen wird, beißt. Ganz im Gegenteil, es gibt viel mehr Fälle in denen es sehr gut geht. Darüber wird nur nicht gesprochen.

Natürlich spielen weitere Faktoren wie z.B. Dominanz, unklare Familienstrukturen usw. auch eine Rolle bei der Betrachtung solcher Fälle. Als Fazit lässt sich aber folgendes zusammen fassen:

Hunde sind keine Menschen. Sie können nicht sagen: „Mir ist das hier zu viel“ „das Kind ist so laut oder hat mir weh getan“ sie reagieren hündisch, wenn der Mensch nicht da ist und seiner Pflicht als Aufsichtsperson nachkommt.

Daher unser Apell: Liebe Eltern, lasst Eure Kinder nicht mit Euren Hunden allein, selbst wenn es der Liebste Hund auf diesem Planeten ist. Es kann immer etwas passieren.

Bei Fragen stehen wir Euch immer gern zur Verfügung.

Eure Bea und Euer Massimo

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