Die Hundeversteher

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Ein Hund und seine Angst vor Artgenossen – Henry

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UPDATE 2

Das Video ist von vor zwei Wochen (11. August), Henry entwickelt sich prächtig. Seine Unsicherheiten sind klar erkennbar aber er kommt sehr gut klar damit, auch sein Vertrauen und seine Fähigkeit die Situation (Intention des Hundes, Spielaggression) einzuschätzen wird immer besser. Er braucht sicher noch Hilfestellungen hier und da. Meine Arbeit aber, sollte sich bald erledigt haben :-)


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UPDATE 

Henry ist heute, nach fast drei Wochen, wieder in sein gewohntes Umfeld gekommen. Der erste Spaziergang am Kräherwald war perfekt! Heute morgen waren Herrchen, beide, im Hundehotel und haben sich unter Anleitung im Rudel aufgehalten. Im Kräherwald gab es kein Clicker, keine Schlepp. Die einzigen die Hilfe brauchten waren beide Herrchen! Ich hoffe das sie weiter so tüchtig an sich arbeiten und sich alles so positiv wie jetzt weiter entwickelt.

Denn: Der Aufenthalt im Rudel war eine große Hilfe, gerade für Henry. Wir sind allerdings noch nicht ganz am Ziel. :-)

Dieses Video ist nach fast zwei Wochen Aufenthalt entstanden.

 

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Ja, Henry ist bei uns im Training. Er hat seit Jahren große Angst vor Artgenossen. Er kommt aus dem Tierschutz und hat offensichtlich noch nie eine anständige Sozialisierung genossen.

In der Regel ist er abgehauen wenn Hunde in Sicht waren. Wenn die Luft wieder rein war, trottete er zurück zu Herrchen. Seine Angst war wirklich groß, es reichte ein Hund der etwas zu schnell auf ihn zulief, um den ganzen Spaziergang zu verderben. Nur morgens, um halb sechs, da konnte er ausgelassen mit Herrchen Ball spielen. Soweit so gut.

Wir fingen an ihn zu markern und es wurde zunehmend besser. Wir hatte ihn soweit, dass er es nicht mehr für nötig erachtete flüchten zu müssen. Der erste Moment beim Zusammentreffen mit Artgenossen hat ihm immer am meisten Schwierigkeiten gemacht aber durch das Markern konnte er immer öfter diesen schwierigen Moment überwinden und relativ gut entspannen, dann wurde auch schon die Nase eingesetzt :) Die Neugierde siegte!

Nun war es aber auch so, dass nichts verrutschen durfte. Ein Beller aus der Distanz, ein lautes “Hier” von einem anderen Herrchen oder Frauchen, ein Hund der irgendwo in sichtbarer Ferne rannte, reichten schon um ihn in Alarmbereitschaft zu versetzten und seine Bereitschaft mit anderen Hunden oder gar mit uns zu interagieren, rutschte sofort auf Null – die Trainingsstunde war beendet.  Diese “Rückschläge” waren unvermeidlich, da ich Henry nicht die “Perfekte Umgebung” bieten kann. Als Trainer kann ich vieles beeinflussen, nur die Umwelt, die lässt sich leider nicht immer so gestalten wie wir sie bräuchten. Eine Lösung musste her. Gemeinsam beschlossen wir Henry in ein Rudel zu integrieren!

Warum ein Rudel? Weil Henry immer wieder Interesse zeigte! Er wollte, doch er konnte nicht. Immer dann wenn er genug Zeit hatte die Situation einzuschätzen und er nicht im “Fluchtmodus” war, nahm er Kontakt auf. Also, schaffen wir ihm die passende Umgebung und geben wir ihm Zeit. Im Hundehotel Königreich in Kornwestheim haben wir die passende Umgebung: Ein Rudel aus gut sozialisierten Hunden.

Letzten Mittwoch war es soweit. Marker in der Hand und Futterbeutel am Gürtel fingen wir mit zwei Hunden an und steigerten langsam. Nach ca. 1,5 Stunde sah es folgendermaßen aus:

Er hatte sich eine Ecke ausgesucht in der er sich wohl einigermaßen sicher fühlte, aber die anderen Hunde boten sich immer wieder an. Er flüchtete nicht, fühlte sich aber sichtlich unwohl in seiner Haut, er braucht Zeit. Das haben auch die anderen gemerkt :)

Tage später schaute ich nach dem Rechten und die Mitarbeiter sagten mir, dass er sich problemlos in die Zimmer führen ließe und er auch schon in diversen Kombinationen dort übernachtet hätte und er sich zunehmends entspannt verhalten würde. Leider gab es just an diesem Tag einen neuen “Tagesgast” der das ganze Rudel in Aufruhr versetzte. eine sechs Monate alte Continental Bulldog die alle aufmischte! :)

Ein bisschen viel für Henry, er wurde in den angrenzenden Freilauf gebracht und dort blieb er bis ich kam. Zu diesem Zeitpunkt war der “Unruhestifter” nicht mehr da…

…nun, wie man sieht ist er ziemlich unentspannt ABER er sitzt nicht mehr in der Ecke!
ER BRAUCHT ZEIT.

Am Wochenende lief alles geordnet und außer einem Telefonischen Update mit Herr Wulff ging alles seinen Weg. “Henry verhält sich wie ein normaler Hund” bekam ich zu hören. Yeah, auf den Satz hatte ich gewartet! :) Obwohl ich sehr neugierig darüber war wie es ihm wohl gehen würde, übte ich mich in Geduld. Und heute war ich wirklich aufgeregt, ich war total gespannt. Wie hat er sich gemacht? Seht selbst.

Ich war wirklich sehr froh über diese ausgelassene Begrüßung, er ist mit einer Dackeldame zusammen die am Montag als Urlaubsgast im Hotel eingecheckt hatte. Als ich wieder aus dem Zimmer ging erzählte mir Herr Wulff, dass sie ihn immer wieder zum spielen animiert hätte und Henry irgendwann der Einladung folgte – perfekt! Das hatten wir im Vorfeld besprochen, ein Hund der ihn immer wieder animiert und jetzt ist es passiert. Er spielt mit seinen Artgenossen! Noch letzten Mittwoch wäre das undenkbar gewesen.

Als wir von unserer Besprechung wiederkamen stand Henry draußen im Rudel und ich…ich hatte ein breites Grinsen im Gesicht! :)

Henry bleibt noch eine Weile, das Rudel tut im gut. Die Erfahrungen die er sammelt müssen sich verfestigen. Die Menge an positiven Erfahrungen/Verknüpfungen die er hier im Rudel macht, können wir Trainer und auch seine Besitzer ihm nur mit viel Zeit, Geduld und Aufwand zukommen lassen. Und auch da ist es sehr schwierig einem Hund wie Henry immer die perfekte Umgebung zu bieten. Die enge Zusammenarbeit mit dem Tierhotel Königreich und dessen Kompetenz in Sachen Rudelhaltung machen solch eine Arbeit möglich. An dieser Stelle ein großes Dankeschön an euch! Eines sollte noch erwähnt werden. Unsere Kooperation endet nicht hier. Was wir gemeinsam vorhaben, werden wir euch nächste Woche präsentieren. :)

 

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