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Hunde zwischen Überforderung und Langeweile

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“Dein Hund ist so hibbelig – der braucht doch mehr Beschäftigung. Der muss sich mal so richtig auspowern.”

Wer eine solche Argumentation schonmal gehört hat, sollte an dieser Stelle vor allem eines: nicht hibbelig werden. Lehnt euch zurück. Lasst Leine, Futtersäckchen und Anmeldeformular fürs Agility noch einen Moment liegen und lest weiter.

Tatsächlich besteht die Möglichkeit, dass euer hibbeliger Hund zu wenig artgerechte Beschäftigung bekommt. Allerdings kann auch genau das Gegenteil der Fall sein. Ein überforderter Hund kann mit ganz ähnlichen Symptomen reagieren wie ein unterbeschäftigter Hund. Und ein unterbeschäftigter Hund im Übrigen auch mit Symptomen wie Apathie und Abwesenheit – also dem krassen Gegenteil von Nervosität.

Eine einfache Gleichung wie “Langeweile = Hibbeliger Hund” lässt sich also nicht aufstellen. Wir müssen da schon ein bisschen genauer hinschauen. Ansonsten besteht die Gefahr den Hund, der sowieso schon am nervlichen Limit ist, noch weiter hochzuschaukeln.

Woran erkennt man Überbeschäftigung?

Die einfachste Methode, Überbeschäftigung zu erkennen, ist Überbeschäftigung zu erkennen. Klingt komisch, ist aber so. Oftmals bringt bereits eine ehrliche Reflektion des Tagesablaufs Aufschluss über Unter- oder Überforderung. Mögliche Fragen zur Reflektion können sein:

  • Hat der Hund an den meisten Wochentagen wenige bis keine echte Pausen? Echte Pausen sind solche, in denen der Hund sich von Menschen, Artgenossen und Umwelteinflüssen aktiv zurückziehen kann.
  • Ist der Tagesablauf, den ich gemeinsam mit dem Hund bewältige für mich stressig? Falls ja, ist er es in den meisten Fällen auch für den Hund.
  • Ist der Hund dauerhaft mit Lärm konfrontiert – beispielsweise durch Verkehr?
  • Arbeite ich im Moment daran, dem Hund etwas Neues beizubringen?
  • Betriebe ich mehrmals die Woche mit dem Hund sportliche Aktivitäten?

Wenn Ihr eine oder mehrere dieser Fragen mit einem “Ja” beantworten könnt, ist es eher unwahrscheinlich, dass euer Hund unterfordert ist. Wahrscheinlich ist das Gegenteil der Fall. Wie bei Kindern, gilt nämlich auch bei vielen Hunden “nach müd kommt blöd”. Versucht etwas mehr Ruhe in euren Alltag zu bringen, und seht, ob sich euer Hund beruhigt.

Pausen einbauen – Leistungsdruck abbauen

Oftmals hilft es bereits, wenn ihr bewusste Pausen von einer halben Stunde in den Alltag einbaut. Ihr solltet dabei aktiv dafür sorgen, dass euer Hund nicht ständig “Programm” hat – ganz egal, ob sich dieses Programm zu Hause oder unterwegs abspielt. Kultiviert klar getrennte aktive Phasen und Ruhephasen.

Als nächstes solltet ihr euren eigenen Leistungsdruck hinterfragen. Betreibt ihr das Agility noch mit Freude oder geht ihr hin “weil die anderen es machen” oder “weil ihr die Leistung eures Hundes verbessern wollt”? Klar ein bisschen Ehrgeiz gehört zum Leben, wenn aus “art- und wesensgerechter Beschäftigung” allerdings “menschgemachter Leistungsdruck” wird, solltet ihr mal einen Gang runterschalten. Wer am Ende mit einem nervlichen Wrack oder einem übermotivierten Arbeitsjunkie dasteht, hat das Thema “artgerechte Beschäftigung” wohl doch etwas verfehlt.

Für Abwechslung sorgen

Vielleicht kommt ihr aber nach reichlich Überlegung und genauer Analyse eures Tagesablaufs doch zu dem Schluss, dass das Leben für euch und Doggy etwas bunter sein dürfte. In diesem Fall greift ihr genau jetzt zu Leine, Futtersäckchen und Anmeldeformular fürs Agility und legt los.

Geht spannenden, abwechslungsreichen Beschäftigungen nach. Geht Schwimmen, kauft eine Frisbee und lauft aufs nächstgelegene Feld, verlasst die asphaltierten Wege und macht einen Hindernislauf im Wald, probiert Dog-Dancing aus, fahrt Fahrrad oder überlegt euch Spielchen zur Nasenarbeit. Der Möglichkeiten gibt es viele!

Viel Spaß beim Experimentieren und Pausieren!

Euer Massimo

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